Erste Wege in Portugals Norden – und Porto

Grenzübertritt

Noch eine gute Strecke weiter nach dem Tennisplatz geht es auf der nun staubigen Piste, am Ende der Straße eine Erweiterung des Weges zum Parken, eine Kioskbude, ein ruhiger, einsamer Strand an der Mündung des Minho (Portugiesisch). Hierher führt uns mit seinem Motorroller der deutsch sprechende Spanier (zehn Jahre in Bremen) der uns an der alten Fährstelle aufgelesen hat, als wir merken, dass der reguläre Fährbetrieb bis auf Weiteres eingestellt ist. Ja, da vorn am Strand bei den Steinen sollen wir uns zeigen, er habe es telefonisch vermittelt, das Boot von drüben aus Caminha in Portugal würde gleich kommen. Eine ziemlich skurrile Situation.

Wir schieben unsere schweren Räder die Dünenböschung hinunter und durch den Sand, und tatsächlich kommt da ein Motorboot auf uns zu, der Mann winkt, bedeutet uns: weiter nach rechts, weil dort das Wasser etwas tiefer ist, so dass er direkt an den Sand fahren kann. Wie soll das jetzt gehen?

Doch er nimmt die Sache, sprich Gepäck und Räder in die Hand, wuchtet alles ins kleine Boot, das damit und mit uns und mit einer weiteren Frau, die vom Strand dazukommt, gut gefüllt ist. Schwimmwesten an, und schon gehts los, vielleicht einen Kilometer über die Mündung direkt am offenen Meer.

Am portugiesischen Ufer geht es an einen Steg, ein Kollege kommt helfen, wieder stemmt er unsere Räder, meint, sie seien ganz schön schwer, alles geht gut, wir stehen auf festem portugiesischem Boden und sind ausgesprochen dankbar. Ich hatte schon eine alternative Route über die nächste Brücke erkundet, ein Umweg von etwa 30 Kilometern, der uns so erspart blieb.

Vorher … – im Süden Galiciens

Morgens waren wir erst zur Radwerkstatt in Nigrán-Zentrum gefahren, von da an der Küste weiter über Baiona, Oia und A Guarda zur Fähre. Wir hatten uns gegen die Alternative durch die Berge nach Tui und Valenca entschieden, zum einen, weil die Berge schon wolkenverhangen waren, zum anderen, weil wir keine richtige Lust (und Kraft) auf Berge hatten.

Am Strand von Baiona gab es einen perfekten Radweg an der Küste entlang durch die Stadt, auch weiter an der Küste war der größte Teil der Strecke für Fahrräder gut ausgebaut, was sicher auch dem Jakobsweg zu verdanken ist, der eben dort entlang führt. Pause in A Guarda am Hafen (Tortilla, Suppe), und vor zur „Fähre“.

In Portugal angekommen

In Caminha landeten wir mit unserem Boots-Transfer in jenem Pinienwald (samt Camping, Hotel und Strand) an, den wir sowieso beradeln wollten. Weiter nach Süden, teils auf der N 13, teils auf Nebenwegen. Teilweise sind wir auf dem Eurovelo 1 unterwegs, doch ist dieser hin und wieder sehr kleinteilig und teilweise wohl auch sandig, so dass wir lieber Naviki mit der Rennrad-Asphalt-Version folgen – mit Vor- und Nachteilen.

Nun sind wir im Norden Portugals unterwegs, teils an der Küste, teils im Hinterland, mit dem ersten großen Ziel: Porto.

Viana do Castelo

In Viana do Castelo sehen wir gleich, dass hier am Wochenende etwas los ist. Bühnen werden aufgebaut, Soundchecks durchgeführt, die Straßen sind geschmückt. Es ist Freitag, der erste Tag eines zweitägigen Musik-Events. Wir hören abends abwechselnd an den drei Bühnen den Bands und Interpreten zu und haben auch im Bett noch daran Teil. Wobei es nachts dann einen ordentlichen Regen gibt.

Einschub Andrea: Der erste Interpret war Camane, ein aktuell bekannter Fado-Sänger in Portugal. Im ersten Band der Gil Robeira Krimi Reihe „Lost in Fuseta“ läuft sein Song über Lissabon ;-).

Die Wetteraussichten sind fürs Wochenende schlecht, etwas Regen, kühler und vor allem Wind. So nehmen wir uns für heute nur eine kleine Tour nach Ponte de Lima vor, wo wir dann auch zwei Nächte bleiben wollen. Dann dürfte das Wetter besser werden.

Übrigens ist Viana do Castelo eine wunderschöne Stadt, in der es viel zu entdecken gibt. Sie war im 15./16. Jahrhundert ziemlich wohlhabend, aus dieser Zeit sind viele beeindruckende Gebäude der Altstadt erhalten.

Viana do Castelo, Platz der Republik
Viana do Castelo, Praca da República

Im Lima-Tal nach Ponte de Lima

Samstag, nach einem ruhigen Frühstück im Quartier und einem kulturell-kulinarischen Vormittag in der Altstadt …

Eiffel-Brücke in Viana do Castelo
Ponte Eiffel von 1878 über den Rio Lima

… haben wir Naviki um „Freizeit-Daten“ statt Asphalt für die Tour nach Ponte de Lima gebeten, um auf die Ecovia am Fluss Lima zu kommen. Das bedeutete: viel Kopfsteinpflaster, auch sehr grobes, dann auch richtig off-road, nach dem Regen in der Nacht mit bedeutenden Pfützen, MTB-Wege.

Nach viel Mühe kommen wir tatsächlich am Ufer des Lima an, doch der viel gepriesene Ecovia-Weg ist nicht besser. Wohl sind wir direkt am Ufer des naturbelassenen Flusses, an und auf dem wir viele Vögel sehen, aber es ist einfach mühsam.

In Subportela-Lomba fahren wir zurück auf die EN 203 (oder 202?). Naviki schlägt immer mal wieder Parallel-Strecken vor, die durch die Dörfer und etwas in die Höhe führen, was uns viel mehr Spaß macht. Erst kurz vor unserem Ziel brauchen wir Regenzeug. Es schüttet dann aber zeitweise ganz ordentlich.

Der Wetterbericht für morgen bestätigt: morgen gibts Regen und Wind – wir bleiben zwei Nächte in Ponte de Lima.

Rainy Sunday in Ponte de Lima

Wir haben es heute sogar mal zu Fuß über die Brücke geschafft, bevor es wieder schüttete …

Dafür viele Fotos eingestellt. Morgen wird’s Wetter besser, wie es aussieht, dann gehts weiter über Braga nach Guimaraes.

Ponte de Lima, Brücke bei Regen
Ponte de Lima, Brücke

Über Land nach Braga

Das Wetter ist besser, es geht bei trockenen gut 20 Grad von Ponte de Lima gleich ordentlich hinauf in die Nähe des Aussichtsberges Monte da Madalena, wieder auf kleinen Straßen hinunter, durch Siedlungen und Dörfer hinauf und hinunter nach Arcozelo, wo die Straßen langsam größer werden. In Vila de Prado entscheiden wir uns für die kleinere Brücke über den Cávado, was aber eine lange Anfahrt auf der vielbefahrenen EN 201 nach Braga mit sich bringt.

Braga ist eine der größten Städte Portugals und spielt in der frühen Geschichte des Landes eine gewisse Rolle. Anschauen wollten wir die Kathedrale, in der einer frühen Alfons-Könige begraben ist. Es war mittelprächtig, lange anstrengende Stadt-Anfahrt, die Kathedrale mittelmäßig interessant, lange anstrengende Stadt-Ausfahrt in Richtung Guimaraes.

Doch dann wieder kleine Straßen, Weinberge, Gemüsegärten, Blumen, Dörfer, bellende Hunde, eine interessante, kleinteilige Einfahrt nach Guimaraes – doch ob mein Akku reicht? Am Ende haben wir am Eingang der Stadt, als wir die nächsten Hügel sahen, noch etwas getrunken, meinen Akku nachgeladen, und es waren dann auch wieder etwa 1.100 Höhenmeter, davon etliche auf den kleinen Straßen reichlich steil, was den Akku stärker beansprucht.

Guimaraes

Guimaraes (sprich „Gimaráesch“) hat uns gut gefallen, ein schönes Quartier in einem historischen Gebäude, eine Denkmal-geschützte schöne Altstadt mit wunderbaren Plätzen, ein grüner Ring drumherum, eine Burg, die eben für einen dieser Alfonse wichtig war, usw. Abends gabs Bacalao in einer kleinen ziemlich portugiesischen Wirtschaft.

Portugiesische Eisenbahn

Nach den spanischen Erfahrungen mit Eisenbahn waren wir gespannt auf die portugiesischen Angelegenheiten. Erste Strecke heute von Guimaraes nach Porto: super, professionell. Ein richtiger Zug, also nicht nur zwei Waggons, günstige Fahrkarten, unkompliziert am Schalter, ordentliches Tempo für einen Nahverkehrszug, sogar ein Kontrolleur, richtige Bahnsteige in ausreichender Anzahl, Platz für Fahrräder im Zug, alles gut in Schuss, usw. Einzig der Aufzug in Porto war zu klein, aber das kennen wir auch aus Bordeaux und anderswo. Doch dank der mittlerweile erworbenen Fitness sind so ein paar Treppen auch kein wirkliches Problem mehr.

Porto

Der erste Weg führte uns zum Quartier. Wir hatten Glück und konnten unser Gepäck schon einmal dort im Flur lassen. Der zweite Weg führte zur Radwerkstatt, mit der wir schon vereinbart hatten, dass dort die Räder einmal durchgecheckt werden sollten. Nicht zufällig lag beides in der Nähe vom Bahnhof. Der Monteur einer kleinen Werkstatt nahm sich gleich freundlich der Räder an, übermorgen in der Frühe holen wir sie wieder ab. Falls es etwas zu klären gibt, haben wir Kontakt miteinander.

Bald hat uns der Rummel. Krass, wie voll die Stadt ist. Wir lassen uns treiben. Runter zum Fluss Duoro, die goldene Kirche, am Ufer entlang, über die Eiffel-Brücke (untere Etage), die Portwein-Anwesen, einen Port auf der Terrasse eines teuren Hotels mit wunderbarer Aussicht, und langsam zurück in unser Quartier. Das liegt sehr angenehm, eher Rummel-fern, hat eine Kochzeile und einen Freisitz. So gehen wir gleich zum Lidl ums Eck und versorgen uns, froh, dass wir heute Abend nicht wieder hinaus müssen.

Zweiter Tag in Porto

Den zweiten Porto-Tag haben wir besser hingekriegt. Weite Fußwege mit interessanten Plätzen und Straßen meist oberhalb des Rummels. Einige Stationen: Eine alternative Brauerei-Gaststätte, deren Filiale wir in Ponte de Lima des Abends besucht und genossen hatten, Letraria. Eine besondere Café-Bäckerei-Pasteleria, in der Andrea vor Jahren mal mit Hike war. Der architektonisch sehr interessante Bahnhof São Bento, dessen Halle durchgekachelt ist. Eine außen gänzlich umkachelte Kirche. Dies und jenes. Am berühmten Buchladen Livraria Lello vorbeigeschaut und die immensen Touristen-Schlangen bestaunt.

Cedofeita

Das Viertel Cedofeita um die Ecke durchkämmt, auch auf der Suche nach kreativer Kultur oder nach Upcycling-Werkstätten, was es dort mal gegeben haben soll. Doch das Viertel ist überwiegend in der Hand von schicken Boutiquen und auch auf Tourismus ausgerichtet, noch nicht ganz so rummelig wie weiter vorn. Doch eine Upcycling-Werkstatt haben wir gefunden, in der eine caritative Organisation wohnungslose Menschen beschäftigt.

Weiter die Almada hinunter, eine wunderbare Eckkneipe zur Stärkung gefunden und genossen. Dann zur oberen Etage der Ponte de Dom Luis I. gegangen und bei steifer Brise rüber zum Jardin de Morro und zum Mosteiro da Serra do Pilar, von wo es bezaubernde Aussichten über die Stadt gibt. Anschließend erschöpft „heim“ in die Rua do Bonfim.

Erinnerungen: In Porto, da war ich schon mal!

Vor ein paar Jahren haben unsere Freunde H&B für ein paar Monate in Porto gelebt und eingeladen, sie dort zu besuchen. Dieses Angebot habe ich sehr gern angenommen und bin so zum ersten Mal für ein paar Tage nach Porto gekommen.

Die Ortskundigkeit meiner Freundin hat das kurze Eintauchen in die Stadt einfach gemacht, sie hat mich gelotst und mir „ihr Porto“ gezeigt.

Erinnerung I: Zitronen-Baiser-Törtchen

In Erinnerung geblieben sind mir leckere Zitronen-Baiser-Törtchen einer berühmten Konditorei, die zweistöckige Eiffel-Brücke über den tief eingeschnittenen Duoro, ein Glas Portwein hoch oben am anderen Flussufer auf einer Aussichtsterrasse mit Blick über Porto, ein innovatives Künstlerviertel mit Graffiti und Upcycling-Läden.

Das alles wollte ich unbedingt Wolfgang zeigen.

Doch schon mal wo gewesen zu sein, heißt nicht, es wieder zu finden, geschweige denn, es so vorzufinden, wie die Erinnerung es einem ausmalt.

Die Konditorei war nicht da, wo sie vermeintlich sein sollte, und die Aussichtsterrasse am anderen Duoro–Ufer auch nicht so einfach wieder aufzufinden.

Erinnerung II: Portwein-Terrasse

Das zweite Ziel wollte ich dann doch nicht so schnell aufgeben. So überredete ich meinen schon leicht genervten Mann am Portweinkeller—Ufer dieses und jenes Gässchen mit mir den steilen Berg hinauf und wieder hinunter zu stapfen. Dann kam mir etwas bekannt vor, wir immer an einer Mauer entlang, hinter der ich am Ende die gesuchte Terrasse wähnte.

Irgendwann kamen wir tatsächlich an ein Tor in dieser Mauer, durch das eine livrierte Frau gerade jemanden heraus ließ. Auf meine Frage, ob es oben eine Terrasse gäbe, hat sie uns mit rein genommen, etliche Treppen durch eine Parkanlage hochgeführt, bis wir schließlich auf einer – mir unbekannten – Terrasse mit sensationeller Aussicht angelangt und dort ein sehr feines Gläschen Portwein kredenzt bekommen und ordentlich dafür bezahlt haben. Wir waren in einem 5-Sterne-Plus-Hotel gelandet.

Die Confeiteria do Bolhao haben wir mit Hikes Hilfe am nächsten Vormittag dann doch noch gefunden. Statt Zitronen- gab’s Maronentörtchen und Pastel de Nata. Sehr lecker und ein Erlebnis, die unaufgeregten Kellner bei ihrer Arbeit in diesem wunderbaren Ambiente zu beobachten.

Erinnerung III: Cedofeita

Jetzt fehlte nur noch das Künstlerviertel. Dank Wolfgang, der noch nie hier war 😂, haben wir es als das Cedofeita–Viertel identifiziert. Das Flair des Viertels, das ich beim ersten Besuch wahrgenommen habe, war nicht mehr zu spüren. Die Gentrifizierung hat voll zugeschlagen, nur noch stylische kommerzielle Läden. Doch ganz am Schluss, als wir das Viertel schon verlassen wollten, haben wir doch noch einen spannenden Laden entdeckt. Ein Projekt, Cais Recicla, in dem gemeinsam mit wohnungslosen Menschen Uppcycling Produkte hergestellt werden. Wir wurden sehr nett begrüßt und über das Projekt informiert. So hat es sich doch noch gelohnt, das Suchen.

Unverhofftes Wiedersehen

Manchmal findet man unverhofft etwas ganz anderes als gesucht. Erinnert mich an unser Hebelprojekt in Denzlingen „Unverhofftes Wiedersehn“. Unbedingt mal lesen, diese Kurzgeschichte vom guten Johann Peter Hebel.

Und zu Erinnerungen hab ich mal gelesen, dass unser Gedächtnis diese ganz schön zusammen fabuliert.


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