Kastilien, Burgos, Leon

Nachdem wir die Weingegend La Rioja verlassen haben, gehts auf die Hochebene der Meseta, Sonnenblumen, Getreide, Weite, Schluchten. Konkret fahren wir von Santo Domingo de Calzada nach Nordwesten nach Briviesca. Nachmittags wird es heiß, so dass wir uns freuen, früh am Ziel zu sein.

Meseta, Landstraße
Auf dem Weg von Briviesca nach Burgos

Catedral de Burgos

Wir haben die Kathedrale ausgiebig mit digitalen Infos im Ohr besichtigt. Das ist schon ein wirklich beeindruckendes Gebäude, Ausdruck von Reichtum und Bedeutung der damaligen Stadt und ihrer Herrscher. Man sieht eine erstaunliche Fülle von künstlerisch hochwertigen Elementen, der Gesamteindruck ist eher „verbaut“ und unübersichtlich. Und auch gerade damit faszinierend. Irgendwie auch die Frage: Was hat das Ganze mit Kirche zu tun? Bzw. was muss das damals für ein eigenartiges kirchliches Selbstverständnis gewesen sein?

Leon

Zwischen Burgos und Leon haben wir den Zug genommen. Zwei Tage Meseta mit Kargheit und Hitze waren prima, genügen aber auch. Zwei Nächte in einem schönen alten Haus in der Altstadt sind angenehm, wir kennen eine nette Kneipe von gestern, die wir nachher sicher wieder aufsuchen. Etwas abseits der Touri- Ströme, klein, sympathische Leute, leckere Kleinigkeiten zu essen, guten Weißwein.

Nachklang zu den Kathedralen von Burgos und Leon

Der Besuch der beiden Bauwerke hat mich schwer beeindruckt. Jedes auf seine Art. Dazu beigetragen haben nicht zuletzt die hervorragend gestalteten Apps, die einem in der eigenen Muttersprache gut zusammengestellte Infos vermittelten und dadurch das Schauen und Verstehen vertiefen.

Burgos

Die Kathedrale ist Mittelpunkt der Altstadt. Man wird gar nicht fertig mit dem Anschauen, außen und innen. Die Kathedrale wurde nicht in einem Stück erbaut, sondern da noch eine Kapelle, da noch ein Tor, ein Turm … dran gebaut. Angetan war ich von der wunderschönen Seitenkapelle aus der Renaissance, die für sich genommen schon ein großartiges Bauwerk ist, dann eine goldene Treppe, die später beim Bau der Pariser Oper nachgebaut wurde, dann die zu wunderschönen Blüten zusammenlaufenden Streben der Spitzbögen im Deckengewölbe …

Leon

Eine mittelalterliche Stadt mit 5000 Einwohner hat es innerhalb von 50 Jahren bewerkstelligt, dieses Farben– und Lichtwunder fertig zu stellen.

Dank der Technik der Vierung und Spitzbögen konnte man jetzt hoch hinauf. Die heimeligen romanischen Kirchen mit ihren dicken schweren Deckengewölben konnten abgelöst werden von der lichtdurchfluteten Baukunst der Gotik. In Leon beeindrucken die bunten Glasfenster und wieder die zu Blüten zusammen laufenden Streben an der Decke.

Unsere Künstler–Freunde an der Orgel Ji–Youn oder Marius hätten ihre wahre Freude an dem Instrument in der Kathedrale.

Über die Kopfhörer wurde ein spannender Moment bei der Restaurierung der Kirche erzählt. Nachdem im 19. Jahrhundert aus dem Deckengewölbe im Mittelschiff Mauerwerk herunterfiel, bestand die große Sorge, dass das Bauwerk einstürzen könnte. Dank eines weisen Bauingenieurs, der die Statik der gotischen Kirchen genau studierte, konnte die Kirche gerettet werden. Er rüstete den gesamten Innenraum der Kirche mit Holzgerüsten ein, ließ das marode Gewölbe abtragen und erneuern. Die Leoner Stadtbevölkerung soll den Atem angehalten haben, als das Gerüst abgebaut wurde und sich die Säulen und das Gewölbe laut knirschend wieder in die richtige Statik abgesenkt hat. Doch es hielt und hält immer noch. Spannend, oder.

MUSAC in Leon – Museum für Gegenwartskunst

Trotz der heißen Mittagstemperatur wollen wir uns das architektonisch hoch gelobte Musac, das Museo de Arte Contemporáneo de Castilla y León, anschauen. Es liegt etwas außerhalb der Altstadt, auf dem Weg dahin passieren wir schöne Jugendstil-Wohnhäuser, das als 5-Sterne-Hotel genutzte, mittelalterliche San Marco Kloster und moderne Regierungsgebäude.

Dann stehen wir davor und sind beeindruckt, ineinander übergehende rechteckige Gebäudeteile, unterschiedlicher Höhe, klare Linien, im Bauhausstil, die Hauptfassade gestaltet mit rechteckigen bunten Glastafeln, nach den Farben des Farbkreises geordnet. Das vom Architekturbüro Luis M. Mansilla und Emilio Tuñón entworfene Musac wurde 2005 eingeweiht und ist von den Buntglasfenstern der Kathedrale von Leon inspiriert.

2007 wurde das Gebäude mit dem Preis der EU für zeitgenössische Architektur, dem Mies van der Rohe-Preis, ausgezeichnet.


Beitrag veröffentlicht

in

von

Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert