Gemütszustände beim Reisen

Wie die Landschaften und das Wetter, so wechseln auch die Gemütszustände beim Reisen.

Angefangen von der Aufgeregtheit am Anfang, euphorischen Zuständen, Juchzern angesichts grandioser Landschaften oder geschaffter Pässe.

Allmählich stellt sich so ein Zustand der (Tiefen-)Entspannung ein, das Gehirn arbeitet langsamer, es ist ja nur noch mit ein paar essentiellen Dingen beschäftigt, mit der Wegstrecke, wie sind heute die Beine, wo gibts was zu essen und zu trinken, wo schlafen wir, wie ist das Wetter, was gibts zu sehen, zu riechen und zu hören.

Ab und zu tauchen in Träumen erlebte Anspannungen oder Befürchtungen auf, ein typischer Urlaubstraum: ich komme unvorbereitet in die Klasse, alles geht drunter und drüber, nur nicht so, wie es sein sollte, ich hab nichts im Griff … Uff, es war zum Glück nur ein Traum.

Vorbeiziehende Landschaften

Die vorbeiziehenden Landschaften und die ständigen Ortswechsel tragen dazu bei, dass der Kopf frei wird. Es ist nicht so wichtig, wie hundertprozentig ein Wegabschnitt oder ein Quartier ist, wir ziehen ja eh weiter.

Die Kehrseite: es sind so viele unterschiedliche Eindrücke, die gar nicht alle behalten werden können. Wolfgang rekapituliert gern mit mir die Orte und Strecken, so bleibt dann doch was hängen und trainiert nebenbei das Gedächtnis. Bei der Rückschau auf die bereits zurück gelegte Strecke kommt so etwas wie Staunen, Freude und Dankbarkeit auf, dass unsere alten Knochen das noch schaffen.

Beim Reisen empfinde ich mich ein wenig „wie aus der Welt gefallen“, aus dem eigenen sozialen, gesellschaftlichen und politischen Kontext. Klar kriegen wir die Nachrichten mit und halten Kontakt, klar versuchen wir mit unseren rudimentären Sprachkenntnissen etwas vom hiesigen gesellschaftlichen Kontext zu verstehen und uns zu verklickern. Dennoch bleibt das Gefühl losgelöst zu sein. Und das tut auch gut so.

Nachrichten von den Lieben zu Hause, einer unserer Enkel hatte ein paar Tage hohes Fieber, meiner Freundin seit Jugendzeiten geht es gesundheitlich sehr schlecht … beschäftigen mich auch auf der Reise, dann bin ich bei ihnen, in Sorge, das Kopf–Karussell dreht sich, wenig im Hier und Jetzt. Bis sich die Situation wieder klärt oder ich doch Abstand nehmen kann.

Wetter

Das Wetter, ja es beeinflusst auch ganz schön die Laune. Bei Schönwetter lässt es sich einfach glückseliger radeln. Ein paar Stunden Fahrt im Regen, alles Wolken verhangen, nass und klamm, da kommen gleich Grundsatzfragen: „Will ich das, wofür tue ich mir das an?“. Wolfgang ist da stoischer.

Als Beitrag zu größerer Wetterfestigkeit habe ich mir heute eine sehr gute Regenjacke zugelegt (das rote Plastikcape vom chinesischen Laden taugt nix). Denn Galizien ist sooo schön, die Wetterprognosen jedoch nicht.

Inzwischen: Das Wetter in Galizien ist schöner als erwartet.

Was noch so die Gemütslage beeinflussen kann:

Die Tage mit unserem Sohn, Schwiegertochter und Enkel, very nice.

Stiche, vor allem vermeintliche Flohbisse.

Wolfgangs defekte Bremse am Hinterrad und die Erlösung, als sie von einem fachkundigen Fahrradmechaniker repariert werden konnte (die Erfahrungen vom letzten Sommer stecken noch im Sorgen–Gedächtnis, da hat das mit meiner Vorderradbremse einfach nicht funktionieren wollen).


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