Ribadesella, Costa Verde I, Asturia

Die Fahrt gestern von Cangas dˋOnis via Corao und Labra auf den Pass El Torno (533 m) war überraschend spektakulär, die Straße deutlich kleiner als erwartet, die Landschaft viel einsamer und dann auch gebirgiger, der Pass bot noch einmal Blicke nach Süden auf die Picos und dann neu für uns nach Norden aufs Kantabrische Meer. Die Abfahrt führte uns nach Nueva, von wo wir kurz mal an den Strand vorgeradelt sind. Nur mal eben gucken. Es tummelte sich gerade zu. Auf der Landstraße nach Ribadesella, Station für zwei Nächte.

Ribadesella, Hafen, Boot

Die Höhle Tito Bustillo

Schon vor Monaten hatten wir eine Zeit zum Besuch dieser Höhle gebucht, es gibt dort frühzeitliche Malereien im Original zu sehen, es dürfen jede Stunde Gruppen von etwa 13 bis 15 Menschen hinein, auch nicht jeden Tag in der Woche. Vom Eingang her gibt es eine dreifache Luftschleuse zu durchschreiten, die Höhle ist nur notdürftig beleuchtet, wo es interessant wird, hat die Begleiterin eine spezielle Lampe dabei.

Die Höhle wurde erst vor etwa 50 Jahren entdeckt, so konnte sie von Anfang an geschützt bleiben. Nebenan befindet sich ein vorzügliches Museum, das die nötigen Zusammenhänge anschaulich darstellt.

Faszination Höhlenmalerei

Ganz am Ende unseres geführten Gangs bekommen wir die Höhlenmalereien präsentiert. Eine ganze Felswand mit Überhang voller Tiere, gemalt in unterschiedlichen Stilen. Angefangen mit einfach skizzierten Umrissen eines Pferdekopfes, wie von Kinderhand am Anfang der Malentwicklung. Daneben wunderschöne komponierte Kunstwerke, Tiere in dynamischer Bewegung, die Umrisse eingeritzt oder mit Pinselstrichen gezeichnet, ausgefüllt in Ocker–, Rot– und Lilafarbtönen, gestempelt mit einer Art Handschuh oder mit Fingerprint, schraffiert, getupft oder mit Pinseln ausgemalt.

Die Motive: Pferde, Steinböcke, auch ein Mammut und sogar ein Walfisch sind dabei. Unsere Höhlenführerin zieht Vergleiche zu expressionistischer Kunst und nennt Franz Marc und Kandinsky …

In den nicht zugänglichen Teilen der Höhle sind auch ein Negativabdruck einer Hand, geheimnisvolle menschliche Abbildungen und eine Halle mit Vulven zu sehen. Im Museum können wir Fotos davon anschauen.

Auch die Mal–Techniken werden uns in einem Video veranschaulicht und wir gewinnen eine Vorstellung davon, wie aufwändig das Erstellen der Höhlenmalerei gewesen sein mag, angefangen vom Bau der Gerüste mit den damaligen technischen Möglichkeiten, der Beleuchtung …

Vor über dreißig Jahren habe ich mit unserer Freundin Agnes auf einem gemeinsamen Familienurlaub im Dordognetal die Font–de–Gaume Höhle und das dazugehörige Museum besucht. Da hat es wohl gefunkt, wir waren beide so fasziniert von diesen Urgemälden, haben uns mit Postern und Postkarten eingedeckt, die uns noch viele Jahre in unseren Wohnungen begleitet haben.

Anschließend (nach Höhle und Museum) haben wir eine Wanderung zur „La Cuevona“ unternommen, einer natürlichen mehrere hundert Meter langen Tunnel-Höhle, deren Durchfahrt asphaltiert ist und die eine Straßenverbindung zum Dorf Cuevas sichert.

Besondere Momente

Davon gabˋs gestern für mich zwei, nämlich Momente von besonderer menschlich-kultureller-religiöser Dimension. In der Höhle Tito Bustillo haben wir uns gründlich mit einer Gemälde-Komposition an der Höhlenwand beschäftigt. Formen und Farben in Zwiegespräch zwischen steinernem Untergrund und gemalten Tierumrissen. An dieser Komposition haben einige unserer Vorfahren vermutlich etwa 10.000 Jahre lang gearbeitet. Da durchfährt einen ein Schauder von Ehrfurcht.

Dann: Am Abend gabs in der Stadt eine Prozession, die etwas mit der Santa Marina zu tun hatte, nach der oberhalb des Hafens eine Kapelle benannt ist. Nach der offiziellen Prozession zog eine Dudelsack-Kapelle noch weiterhin durch die Stadt kam direkt an uns vorbei. Die Musik, die Ernsthaftigkeit, Dudelsäcke, Trommeln, Rhythmus. Direkt in die Seele.

Mirador del Fito und Lastres

Von Ribadesella sind wir wunderbar durchs Hinterland bis nach Collia, dort rechts hinauf (teils sehr giftig) zum Pass und Aussichtspunkt El Fitu (591 m). Dort war es zwar etwas rummelig, aber auch mit faszinierender Aussicht vor allem aufs Meer, die Berge waren meist wolkenverhangen. In Colunga haben wir uns kurz versorgt, in San Telmo am Strand, auch Saurier-Fußspuren angeschaut. Wunderbares Quartier in Lastres, einem Bergnest direkt am Meer mit kleinen Gassen, die sich eng den Berg hinaufziehen. Erstes Bad im Meer.

Llastres vom Mirador de Fitu
Llastres vom Mirador de Fitu
Llastres vom Strand aus
Llastres vom Strand San Telmo aus
Llastres vom Strand San Telmo

Llastres

Blick von Llastres zum Strand
Blick zurück auf den Strand und die Saurier-Küste

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